Was liegt dahinter?
Vielleicht waren deine frühen Bezugspersonen emotional nicht erreichbar, Nähe war unberechenbar oder du warst einfach oft allein mit dem, was eigentlich zu groß für dich war.
Irgendwann, früh in deinem Leben, hast du gelernt: Nähe ist nicht sicher.
Dein kleines Ich hat damals etwas sehr Kluges daraus gemacht: Es hat gelernt, nicht zu viel zu brauchen, sich zu schützen und Abstand zu halten.
Lieber alleine sein als wieder enttäuscht zu werden - das war damals deine beste Lösung und hat dein Überleben gesichert.
Aber heute bist du erwachsen, dein Nervensystem weiß das nur noch nicht so ganz. Es reagiert noch immer so, als wäre Nähe gefährlich. Nicht weil du nicht lieben kannst, sondern weil dein System gelernt hat: Liebe tut weh.
Das nennt sich Bindungstrauma und zeigt sich ganz leise im Alltag:
Vielleicht wählst du Menschen, die nie ganz da sind, weil das sich vertrauter anfühlt als echte Nähe. Wenn jemand dann wirklich verfügbar ist, fühlt es sich eher falsch an und du findest Wege, dich aus der Beziehung zu winden, z.B. indem du den anderen abwertest.
Es gibt zwei Grundmuster: Manche Frauen ziehen sich zurück, brauchen viel Raum (me-Time), sind weg, bevor es wehtun kann. Andere klammern, werden schnell intensiv, haben Angst den anderen zu verlieren. Und oft wechseln sich beide ab - in derselben Beziehung, manchmal sogar in derselben Stunde. Beides ist kein Charakterfehler. Beides ist eine Antwort auf dasselbe: Nähe wurde nicht als sicher erlebt.

